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Schufa will Daten in sozialen Netzwerken verwerten

Schufa durchsucht Netzwerke


Die Schufa, Deutschlands größte Auskunftei lässt derzeit forschen, inwiefern sich Daten aus sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter zur Prüfung der Kreditwürdigkeit verwenden lassen. Datenschützer sind entsetzt und sprechen von einer "Grenzüberschreitung". Die Schufa hingegen versichert, das Forschungsprojekt in Kooperation mit dem Potsdamer Hasso-Plattner-Institut werde nach "höchsten ethischen Maßstäben" durchgeführt.

Systematische Nutzung von Facebook und Co

Nach Recherchen des NDR Info plant die Schufa eine systematische Nutzung von Daten aus sozialen Netzwerken. Derzeit überprüfen Wissenschaftler am Hasso-Plattner-Institut in Potsdam, wie sich ein solches Vorhaben realisieren lassen könnte. Konkret geht es um die Untersuchung von Kontakten zwischen Facebook Mitgliedern - diese Informationen sollen helfen, die Kreditwürdigkeit der Verbraucher einzuschätzen. Weiterhin plant das eigens eingerichtete "SchufaLAB@HPI", Textdaten zu analysieren, um "aktuelle Meinungsbilder von Personen zu ermitteln".

Zudem sollen Adressänderungen und Anschriften ermittelt werden, dazu ist auch die Analyse von Diensten wie XING, Google StreetView, Yasni und Mitarbeiterverzeichnissen von Firmen angedacht. Die "automatisierte Identifikation von Personen des öffentlichen Lebens, Journalisten und Verbraucherschützern" sei laut NDR-Informationen ebenfalls im Gespräch.

Schufa bestätigt Forschungsprojekt

Die Schufa hat die Existenz des Forschungsprojektes bestätigt - der Vorstandsvorsitzende Peter Villa äußerte gegenüber dem NDR, durch wissenschaftliche Ergebnisse solle das qualitative Angebot der größten Auskunftei Deutschlands verbessert werden. Der Pool an gewonnenen Daten aus Facebook und Co hätte laut Villa einen großen Einfluss bei der Optimierung von Services und Produkten. Der Vorstand betonte, derzeit würde es sich ausschließlich um eine Grundlagenforschung handeln, die nach "höchsten ethischen Maßstäben" betrieben werde.

Ein Sprecher des Hasso-Plattner-Instituts (HPI) sagte, es existiere zwar "eine lange Ideenliste", doch einen konkreten Projektplan gebe es derzeit nicht. Das auf drei Jahre angelegt Forschungsprojekt soll auch grundlegende Fragen beantworten - beispielsweise welche Methoden ethisch vertretbar seien und was die geltenden Datenschutzrechte zulassen.

Datenschützer schlagen Alarm

Bei Datenschützern trifft das Vorhaben auf Ablehnung und Entsetzen: Der schleswig-holsteinische Datenschutzbeauftragte Thilo Weichert kritisiert das Forschungsprojekt enorm - Weichert spricht von einer gänzlich neuen Dimension, sollte die Schufa die gewonnenen Daten aus Facebook und anderen sozialen Netzen tatsächlich einsetzen. Ähnlich äußerte sich auch Edda Castello von der Hamburger Verbraucherzentrale: Die Nutzung von Daten aus sozialen Netzwerken stelle eindeutig eine "Grenzüberschreitung" dar - wenn die privaten und überaus persönlichen Datensammlungen zusammengeführt und ausgenutzt würden, stelle das eine massive Gefährdung dar.

Hintergrund: Die Schufa verfügt nach eigenen Angaben über Informationen zur Kreditwürdigkeit von mehr als 66 Millionen Verbrauchern. Banken und andere Vertragspartner versorgen die größte Auskunftei in Deutschland mit den benötigten Daten - bei Beantragung eines Kredites oder dem Abschluss eines Mobilfunkvertrags erfolgt eine Schufa-Abfrage, um potentiell problematische Kunden zu entlarven.

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